Ein Wärmeplan für die Wärmewende – wie Berlin in Zukunft emissionsfrei heizen könnte

Show notes

Show Notes:

Show transcript

00:00:13: Berlin hat einen neuen Wärmeplan, ein erster Schritt um die Wärmeversorgung fit für die Zukunft zu machen.

00:00:19: Denn Öl und Gas zu verbrennen können wir uns offensichtlich nicht mehr leisten!

00:00:24: Wie kann eine Großstadt möglichst emissionsfrei heizen?

00:00:27: Und welche Maßnahmen muss der Berliner Senat dringend

00:00:30: umsetzen?!

00:00:31: Darüber spreche ich heute mit Neal Gewagner – Referentin für Klimapolitik bei PowerShift.

00:00:51: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge vom Kompass-Weltwirtschaft, dem Podcast von Powershift.

00:00:57: Ich bin Nora Neu und ich habe heute Nelke Wagner zu Gast!

00:01:04: Du hast mir heute eine Schlagzeile mitgebracht?

00:01:08: Lies sie doch mal kurz vor...

00:01:10: Genau, die Schlagzeile stammt aus dem RBB bzw.

00:01:15: von deren Internetseite und die haben am siebten Mai getitelt Pläne für Holzkraftwerke in Berlin offenbar vom Tisch.

00:01:23: Das dringt erst mal nach einer ziemlich guten Nachricht aber man sollte sich nicht zu früh freuen.

00:01:29: Ja leider also.

00:01:30: erstmal waren wir schon kurz davon Jubel auf zu auszubrechen vor allen Dingen weil es hieß Holzkraftwerke Also mehr Zahl.

00:01:38: Und der Hintergrund ist, dass die BEW unser größter Fernwärmeversorger bis jetzt immer mit zwei großen Holzkraftwerken geplant hat.

00:01:47: Eines in Reuter West also im Westteil der Stadt und eins in Klingenberg im Ostteil.

00:01:53: Vor allen Dingen in Reuther West waren die Planungen schon sehr weit fortgeschritten und das Genehmigungsverfahren war auch schon eingeleitet.

00:02:00: Da ist eben halt auch der Knackpunkt ... Das war dann leider doch ne Ente weil dieses Kraftwerk wird natürlich nach wie vor gebaut Und zwar wird das Biomassekraftwerk in Klingenberg jetzt doch nicht gebaut, sondern stattdessen soll es ein Abfallkraftwerk werden.

00:02:17: Das ist halt vielleicht besser aber so richtig wissen wir auch noch nicht wo dann genau die Müllmengen herkommen sollen, die da verbrannt werden.

00:02:25: und ja insofern war's leider doch ein bisschen zu schön um wahrzusehen diese Schlagzeile.

00:02:32: Aber sie führt uns direkt ans Thema Und zwar wollen wir heute über die Wärmewende reden und konkreter gesagt, über den Wärmeplan für Berlin.

00:02:43: Da geht es nämlich einerseits ganz konkret darum wie Fernwärme in Zukunft aussehen wird aber auch erstmal noch viel größer um die Frage wo überhaupt Fernwährme möglich ist im Berlin.

00:02:57: Das ist ein großes Thema, denn die von den Berliner Treibhausgasemissionen kommen tatsächlich vierzig Prozent aus dem Heizen.

00:03:04: Also das ist gerade hier bei uns in der Stadt ein ziemlich relevanter Faktor und es ist auch interessant sich Berlin anzuschauen weil natürlich andere Städte mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind und man da auch in Berlin einiges sich hoffentlich abschauen könnte.

00:03:25: Der Wärmeplan wurde Jetzt gestern veröffentlicht, also wir reden hier Mitte Juni miteinander.

00:03:33: Warum braucht es überhaupt einen Wärmeplan?

00:03:35: Was hat das damit auf sich?

00:03:38: Ja genau, also tatsächlich sind zwei sehr wichtige Dokumente veröffentlich worden in der letzten Zeit eben der Wärmeplan tatsächlich am sechzehnten Juni und eine Woche davor der Decarbonisierungsfahrplan speziell für die BEW den größten Fernwärmeranbieter in Berlin.

00:03:56: Und genau, ich fang mal mit dem Wärmeplan an.

00:03:59: Der wurde von der Senatsverwaltung für Mobilität-, Verkehr-, Klima- und Umwelt erarbeitet.

00:04:04: Die haben da auch mehrere Jahre dran gearbeitet.

00:04:08: Dieser Wärmeplan gibt uns zunächst einmal eine sehr gute Datengrundlage weil sie nicht nur geschaut haben wo in Berlin wird eigentlich wie viel Wärmen gebraucht sondern auch geschaut habe wo in berlin gibt es eigentlich welche erneuerbaren Wärmekwellen die wir zukünftig nutzen können?

00:04:26: Und ja, damit kann man jetzt schon mal sehr gut arbeiten.

00:04:29: Wenn man die künftige Wärmeversorgung in Berlin planen will.

00:04:33: und eine zweite wichtige Sache, die eben diese Planung erstellt hat ist dass sie das gesamte Stadtgebiet eingeteilt haben in verschiedene sozusagen Versorgungsgebiete.

00:04:46: einmal gibt es Gebiete wo es heute schon Fernwärme gibt.

00:04:49: Das ist tatsächlich auch in Berlin ein sehr großer Teil, wir haben glaube ich die höchste Fernwärkeversorgung von allen Bundesländern in Deutschland.

00:04:57: und dann gibt es Gegenden, wo auf jeden Fall keine Fernwämme hinkommen wird.

00:05:02: das sind dann die sogenannten dezentralen Gebiete also wo's vermutlich darauf rausläuft, dass Leute sich dann einfach eine eigene Wärmepumpe kaufen müssen oder vielleicht auch ein kaltes Nahwärmenetz zusammen machen.

00:05:15: Aber da kann ich später noch mehr zu erzählen.

00:05:18: Spannend tatsächlich sind die Prüfgebiete, das sind sozusagen Gebiete dazwischen.

00:05:24: Da gibt es eine Eignung für einen Fernwärmennetz eben je nach... Möglichkeit eben eine hohe oder noch nicht näher spezifizierte Eignung.

00:05:33: Es gibt da aber auch noch keins und man kann auch nicht sicher davon ausgehen, dass es sehr einfach ist diese Prüfgebiete an das bestehende Fernwärmennetz anzuschließen.

00:05:43: Und das sind auch soweit ich das jetzt überblicken kann so knapp dreißig Prozent des Stadtgebiets also halt auch ziemlich viel und das sind eben Gebiete die vor allem auch für kleinere Fernwärme oder eben Nahwärmenetze interessant sind.

00:06:00: Oder eben wo diese Nahwermenetze sehr wichtig werden, wenn wir eben ja versuchen wollen möglichst viel erneuerbare Wärme zu nutzen.

00:06:11: Noch kurz zum Kontext also dieser Wärmeplan den Hat Berlin jetzt nicht freiwillig umgesetzt?

00:06:18: Die Stadt war verpflichtet dazu, weil es eben dieses Wärmeplanungsgesetz gab.

00:06:24: Ja genau!

00:06:25: Das ist ein Gesetz das wurde noch von der Ampelregierung verabschiedet und verpflichtete eben alle Kommunen solche Wärmepläne zu schreiben.

00:06:35: Und tatsächlich große Kommunen, also über hunderttausend Einwohnern mussten diesen Wärmeplan zum dreißigsten, sechsten-sechstenzwanzig fertigstellen.

00:06:44: Wir sind quasi um zwei Wochen gut im Zeitplan

00:06:48: ... Streber!

00:06:50: Genau.

00:06:50: Also das äh... Ja

00:06:54: und da gibt es ja auch eine Podcastfolge von dir, die ich in den Schaunerns verlinke, wo es nochmal genauer um die Wärmpläne geht und was es damit auf sich hat?

00:07:04: Welche Gebiete eignen sich denn nicht für Fernwärme?

00:07:08: Also woran hängt das, ob jetzt ein Wohnviertel zum Beispiel in die eine oder andere Kategorie fällt.

00:07:15: Also der wichtigste Faktor dafür ist die sogenannte Wärmedichte.

00:07:19: Das bedeutet, der Wärmebedarf, der da in dem Gebiet besteht, weil natürlich Fernwärme dann besonders effizient arbeitet wenn sie sehr viele Wohneinheiten auf kleinem Raum versorgt oder halt auch nicht zwingenderweise wohneinhalten.

00:07:34: das kann ja auch Gewerbe sein oder eben Handel oder was auch immer so.

00:07:41: Und wenn ich ein Gebiet habe, wo Entweder die Häuser sehr neu und gut isoliert sind, dass sie einfach so einen geringen Wärmebedarf haben oder so eine klassische Einfamilienhaussiedlung.

00:07:53: Da wäre die Fernwärme sehr ineffizient weil klassische Fernwämme ist ja heiß.

00:07:57: also das Wasser kommt da halt je nachdem wie kalt es draußen ist mit bis zu über hundert Grad durch die Leitungen und wenn das über sehr weite Strecken geführt wird dann verliert es natürlich sehr viel Energie ineffizient.

00:08:11: Das bedeutet halt so eher großflächige Gebiete mit wenig Wärmebedarf, sind ungeeignet für Fernwärme und da kommt eben auch dazu wie nah dran ist ein Gebiet an den bestehenden Fernwährmennetz.

00:08:23: also selbst wenn ich dann wie da ein Gebiet habe, was vielleicht viel Wärme braucht.

00:08:28: Vielleicht auch so etwas wie einen Gewerbestandort oder ein Krankenhaus oder so.

00:08:32: Das ist aber sehr weit weg von dem schon bestehenden Fernwärmenetz.

00:08:36: Dann ist das ineffizient, da jetzt eine extra Leitung hinzulegen.

00:08:40: Weil tatsächlich aktuell hat man ungefähr zehn Prozent Energieverlust im Fernwährmesystem und entsprechend eben je länger die Leitungen ... Und je weiter die Strecken desto weniger geeignet sind, ist halt ein Fernwörmeranschluss.

00:08:54: Ja.

00:08:55: Ähm, trotzdem ist ja quasi erst mal schon das Ziel ... Wenn ich das richtig verstehe, möglichst viel Fernwärme auszubauen.

00:09:05: Also zumindest das Ziel von Berliner Senat?

00:09:07: Ich glaube du und Powerchef die seht es auch ein bisschen kritischer.

00:09:12: Wenn wir jetzt auf das Berliner Fernwährmennetz schauen, dass ihr's eben schon erwähnt, das ist wieder in Landeshand seit ... zwentzwanzig.

00:09:19: Ich glaub da hat das dann im Berlin-Von-Wattenfall abgekauft gibt es seitdem Bemühungen, dass eben das Fernwärmen jetzt nachhaltiger wird.

00:09:29: Weil man muss ja auch dazu sagen, Fernwährme kann durch alle möglichen Arten von Hitze Erzeugung entstehen und das kann natürlich auch sehr unnachhaltige Arten sein.

00:09:40: Was versucht da gerade die Berliner Energie- und Wärmer GmbH um eben nachhaltige Wärme zu produzieren?

00:09:49: Ja, tatsächlich ist schon mal eine wichtige Errungenschaft jetzt seit das Unternehmen nicht mehr zu Wattenfall gehört.

00:09:56: Dass sie ihren Decarbonisierungs-Fahrplan neu geschrieben haben.

00:10:01: Also es gibt ein Berliner Gesetz was alle Fernwärmenbetreiber dazu verpflichtet alle fünf Jahre so einen Decarboniserungsfahrplan zu schreiben und da... Das ist so bisschen wie so ein Wärmeplan im Kleinen.

00:10:11: also da zeigt das Unternehmen mit welchen Mitteln es eben in den gesetzlich vorgeschriebenen Fristen, also letztlich bis zwei tausendfünfe vierzig endgültig klimaneutral sein möchte und hat auch Zwischenschritte dargestellt.

00:10:25: Also was bis wann passieren muss?

00:10:28: Und der alte Plan von Wattenfall war wirklich sehr schlecht.

00:10:31: Da haben sie letztlich einfach gesagt okay jetzt verbrennen wir Kohle und Gas künftig verbrenn wir Holz- und Wasserstoff.

00:10:37: So da ist natürlich das große Problem.

00:10:40: zwar wird auf dem Papier gesagt, also auch auf EU-Ebene gibt es eine Definition von Holzverbrennung als klimaneutral.

00:10:49: Da habe ich, glaube ich im alten Podcast auch schon darüber gesprochen.

00:10:52: Dass das aber letztlich so ein bisschen Etikettenschwindel ist.

00:10:55: und bei Wasserstoff haben wir das Problem dass der eben auch nachhaltig nicht in so großen Mengen produziert werden kann.

00:11:01: vor allem wenn man an der Stelle mit großen mengen von Wasserstoffverbrennung rechnet kauft man sich dadurch ja auch letztlich eine neue Importabhängigkeit ein und läuft eben Gefahr dass dann auch diese Importe sehr teuer sein werden.

00:11:18: die berliner energie und wärme gmbh hat das jetzt aber ein bisschen sinnvoller gestaltet.

00:11:23: also sie haben jetzt diesmal drei scenarien vorgestellt.

00:11:27: Und die unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie viele lokale Wärme sie einfliegen.

00:11:35: Und tatsächlich ist diese Menge an lokaler Wärmen, die für die Fernwärme genutzt werden kann sehr stark abhängig davon, wie es mit der Geothermie weitergeht.

00:11:44: Also im Prinzip besteht die Hoffnung, dass Berlin gutes Geothermie-Potenzial hat.

00:11:49: aber so genau wissen wir das noch nicht und es sollen jetzt eben Probebohrungen passieren wo man mal schaut was da unten so los ist.

00:11:57: Und wenn das eben gut aussieht, dann kann man davon ausgehen dass so zwanzig Prozent der Wärme schon aus Geothermie gedeckt werden kann.

00:12:06: Das muss aber auch nicht so kommen.

00:12:08: und dann geht es eben auch darum andere lokale Wärmekwellen sowas wie Rechenzentren oder so einzubinden.

00:12:16: und dann gibt es das Szenario.

00:12:18: das nennen sie Wasserstoff und da haben Sie im Grunde genommen überall Wasserstoff rein geschrieben.

00:12:23: wo noch Löcher waren Sehen wir eigentlich ganz gut an diesen drei Szenarien, wie wichtig es ist.

00:12:30: Möglichst in die Nähe von dem lokale Wärme- und Stromszenario zu kommen, ist eigentlich sogar noch zu übertreffen, weil selbst in diesem Szenario wird immer noch mit großen Mengen Holz-, Biomasse- und Wasserstoffverbrennung gerechnet – auch Müllverbrennungen!

00:12:46: Aber immerhin ist das schon deutlicher Fortschritt zu davor.

00:12:49: Vor allen Dingen haben wir jetzt eben eine Orientierung vorliegen was getan werden muss, damit wir eben nicht in diese große Wasserstoffabhängigkeit reinlaufen und wir sehen auch Möglichkeiten wie es möglich ist halt die Holzverbrennungen zu reduzieren.

00:13:07: Da werde ich noch mal eine andere Folge vom Kompass Weltwirtschaft in den Show notes verlinken wo's um Wasserstoff geht und warum sich der zum Halzen tatsächlich gar nicht so gut eignet.

00:13:19: Jetzt sind wir, wenn wir über lokale Wärme reden eigentlich auch schon direkt beim Thema dezentrale Wärmenetze.

00:13:27: Was hatten da Berlin für ein Potenzial?

00:13:29: Weil es hat Berlin halt nicht so krass energieintensive Industrien zum Beispiel die viel Abwärme uns liefern konnten.

00:13:37: was was für Möglichkeiten gibt es da?

00:13:40: Ja genau, diese großen Abwärme lieferanten die wären eben super für die Ferne Wärme und das macht es tatsächlich in Berlin so herausfordernd dass wir solche Betriebe nicht haben.

00:13:51: Tatsächlich haben wir auch viele lokale Wärmequellen, die der BEW zu schwach sind.

00:13:56: Also wo sie durchaus geprüft haben, ob sie die benutzen können dann aber gesagt haben dass sich das nicht lohnt.

00:14:02: weil wenn man zum Beispiel Abwasserwärme benutzt, hat man eben den Abwasser was meistens schon deutlich wärmer ist als die Umgebung, das heißt dem könnte man Wärme entziehen.

00:14:15: Das eignet sich aber tatsächlich gut für kleinere Netze.

00:14:18: wenn dann diese Wärm vom Abwasser mit einer Wärmpumpe noch sozusagen aufgeheizt werden muss auf die Temperatur vom Fernwärmenetz, dann lohnt es sich nicht mehr.

00:14:28: Aber wenn man mit derselben Wärmel quasi und auch einer Wermepumpe ein kleineres Wärmen Netz betreibt, dann lohnts sich das schon.

00:14:36: Also es gibt zum Beispiel ein Projekt von den Berliner Stadtwerken, auch in der Mitte von Berlin direkt am Alexanderplatz.

00:14:42: Wo sie eben im alten Haus der Statistik so Netz gebaut haben.

00:14:47: und deswegen sind diese Netze eben sehr gut um die schwächeren Wärmequellen in Berlin zu nutzen, die halt für die Fernwärme nicht ausreichend sind aber für ein kleineres Netz schon.

00:14:57: Und die sind natürlich auch nützlich in den Gegenden wo keine Fernwämme hinkommt.

00:15:02: weil eigentlich zum Beispiel Gibt es etwas, das heißt oberflächennahe Geothermie?

00:15:07: Da muss man nicht so ganz tief bohren.

00:15:10: Sondern man bleibt eher bis zu hundert Meter unter der Oberfläche.

00:15:14: Ist auch ganz schön tief!

00:15:15: Aber tiefe Geotherme ist man eher ein- bis zwei Kilometer unter der Oberfläche.

00:15:20: also das ist richtig tief.

00:15:21: deswegen sind diese Bohrungen auch so teuer.

00:15:24: aber ober flächennahe Geotermie die braucht vor allen Dingen wenn man erst mal gebohrt hat nicht mehr viel Platz.

00:15:30: Das ist zum Beispiel was man auf Sportplätzen machen kann.

00:15:33: da muss und einmal mehrere kleine Bohrungen machen.

00:15:37: Dann kann man da drüber die Rasenfläche vom Fußballfeld machen, dann steht noch in der Ecke ein Häuschen rum, wo die Wärmepumpe drinsteht.

00:15:46: Über solche Arten von ... sozusagen Wärmeerzeugung könnte man auch einen großen Teil von diesen Gegenden versorgen, die keinen Fernwärmenetz haben, aber dann eben so Nahwärmennetz bekommen könnten.

00:16:01: Da liegt eine riesige Aufgabe, weil die ... Anbieter, die das alles so flächendeckend aufbauen könnten.

00:16:06: Die gibt's noch nicht!

00:16:07: Es gibt mehrere Unternehmen, die sowas schon bauen aber die müssten halt ihre Kapazitäten vervielfachen um jetzt zeitgleich an vielen Stellen von Berlin sowas zu planen und natürlich ... Das dauert ja auch ne?

00:16:20: Man muss eine Machbarkeitsstudie machen und da muss man gucken wer sich wirklich an dieses Wärmenetz anschließen möchte und dann muss man schauen ob man das Geld zusammenbekommt und und und also das ist schon relativ aufwendige Sache.

00:16:34: Deswegen braucht man da einmal gute Förderprogramme und dann braucht man eben auch Unterstützung vom Senat, von den Bezirksverwaltungen.

00:16:42: Und die BezIRKE brauchen dafür einfach Personal um diese Art von Wärmeversorgung voranzubringen.

00:16:49: Ja du hast ja auch eine Konsultation geschrieben in Reaktion auf den Wärmeplan wo es darum geht was das jetzt eigentlich braucht um tatsächlich gute Maßnahmen wie auch teilweise im Wärmelplan drin stehen, wirklich umzusetzen und nicht nur schwarz auf weiß zu haben und dann in die Schublade zu stecken.

00:17:10: Wie realistisch hältst du es denn das tatsächlich auch konkrete Schritte gibt?

00:17:16: Also, das sind einfach politische Entscheidungen.

00:17:19: Ich finde die zuständige Abteilung in der Senatsverwaltung haben schon auch sehr viele gute Vorschläge gemacht weil sie sich eben auch die Situation genau angeschaut haben und entsprechend dargelegt haben was brauchen wir denn jetzt?

00:17:34: Weil was Sie ganz klar gesagt haben ist Wir müssen uns wirklich viel mehr kümmern.

00:17:37: also eigentlich ist der Wärmeplan ein Auftrag an die künftige Regierung intensiv um seine Umsetzung zu kümmern und sich auch intensiv, um die Wärmewende zu kümmern.

00:17:48: Und die schlagen dann halt aus so Sachen vor wie zum Beispiel die Bezirke zu stärken Beratungsangebote zu schaffen und so um halt eben

00:17:57: z.B.,

00:17:57: diese Nahwärmenetze voranzubringen.

00:17:59: und sie schreiben eben auch dass diese neuen Nahwermennetz in wesentlicher Pfeiler der Wärme-Wende in Berlin sein werden.

00:18:06: Und ja, letztlich ist das ein Auftrag halt eben auch an die Politik da dann entsprechend für die Umsetzung zu sorgen.

00:18:15: Da ist eben mal die große Frage, wen wählen wir Ende September in Berlin und wie intensiv wird sich dann halt eben auf die neue Regierung mit diesem Thema auseinandersetzen?

00:18:25: Insgesamt finde ich, wir haben da eigentlich eine viele gute Vorschläge ... Die muss man jetzt halt auch in die Wirklichkeit übersetzen!

00:18:36: Ja, von meinem Gefühl her bräuchte es auch einfach eine Kampagne um überhaupt Menschen darüber zu informieren was Nahwärmenetze sind.

00:18:45: Weil ich hab nicht das Gefühl dass da für schon ne breite Aufmerksamkeit gibt als sinnvolle Ergänzung oder vielleicht sogar als die bessere Lösung im Vergleich zur Fernwärme.

00:18:58: Das ist tatsächlich eine große Herausforderung weil relativ neue Technologie ist.

00:19:06: Also gerade kaltener Wärmenetze sind ja meines Wissens erst seit wenigen Jahren so wirklich auch in der Umsetzung, dass sowas gebaut wird und es ist auch erstmal kontraintuitiv.

00:19:20: eben viele Menschen sind halt die Fernwärme gewöhnt und wissen okay das heiße Wasser kommt dann einfach mehr oder weniger direkt bei mir im Haus an.

00:19:30: Das ist dann halt die Wärme.

00:19:31: Und bei so einem kalten Nahwärmenetz, deswegen heißt es kaltes Nahwermennetz, ist das Wasser in den Leitungen von diesem Wärmennetz erst mal gar nicht so wahnsinnig warm.

00:19:42: Also je nach Wärmekwelle sind das vielleicht nur irgendwie zwanzig oder dreißig Grad und dann braucht's eben nochmal extra Wärmpumpen um das auf ein heizfähiges Niveau zu heben.

00:19:54: Der Vorteil ist natürlich, ich kann das im Sommer auch umstellen.

00:19:57: Ich kann es zum Kühlen verwenden, weil dieses zwanzig grad kalte Wasser, wenn's draußen über dreißig Grad ist, kann dann wieder kühlen.

00:20:05: Dann strahlen sozusagen die Heizkörper einfach Kältestadtwärme ab.

00:20:09: Es hat viel Potenzial aber eben ... Das ist erst mal eine völlig neue Technologie.

00:20:13: Es arbeitet mit Wärmepumpen.

00:20:15: Es braucht teilweise neue Installation in den Häusern.

00:20:21: Wenn ich

00:20:21: z.B.,

00:20:23: Jetzt in so einem Grunderzeitgebäude-Lebe, was vielleicht schlecht gedämmt ist und Garthetagenheizung hat.

00:20:28: Da sind das schon auch einige Umbauern erförderlich wenn man da halt jetzt ... ein kaltes Nahwärmenetz haben wollen würde.

00:20:36: Dadurch ist das Thema relativ komplex, man kann nicht sagen hier so ist ein kaldes Nahwermenetz und das bauen wir überall ein.

00:20:43: Sondern es braucht immer angepasste Lösungen an die Stellen wo ein Sinn kommen soll.

00:20:49: Dann ist auch noch ein großes Thema Wärmespeicher.

00:20:52: also man kann sie mit Wärmspeichern kombinieren was eine zusätzliche Komplexität bedeutet aber letztlich auch eine zusätzlichen Effizienz gewinnen viel Kommunikationsarbeit erforderlich.

00:21:05: Tatsächlich tun das halt auch schon viele Leute, also es gibt in Berlin mittlerweile auch so ein Zusammenschluss an Nahwärme-Initiativen.

00:21:13: Es gibt auch mehrere Wärmegenossenschaften, die sich in den letzten Jahren gegründet haben und die zum Beispiel in Zählendorf halt auch solche Wärmenetze bauen wollen.

00:21:23: Und genau da ist halt schon viel Bewegung drinne.

00:21:26: Da wäre's eben halt auch schön wenn diese Initiativen oder eben auch ihr Zusammenschluss dann Kommunikationsarbeit sozusagen auch unterstützt werden würde.

00:21:37: Und jetzt mal angenommen, ich hätte eine kleine Bäckerei und würde gerne meine Abwärme in einen Nahwärmenetz einspeisen.

00:21:47: Hätte ich da schon die Möglichkeit dafür im Berlin?

00:21:51: Also in der Regel erst einmal nicht, weil es eben noch nicht viele von diesen Netzen gibt bzw.

00:21:56: viele sich ja auch erst im Bau befinden.

00:21:59: Aber das wäre zum Beispiel ein Superstart sich umzuschauen, gibt es denn vielleicht in meiner Nähe andere Wärmequellen und gibt es vielleicht auch Leute die interessiert wären so ein Wärmenetz auf die Beine zu stellen.

00:22:14: Also es gibt zum Beispiel dann ein Projekt in Kreuzberg am Kotbussatur, wo eben auch die Überlegung ist dort so Nahwärmenetz zu bauen und wo die teilweise schon mit Anwohnern oder dem lokalen Gewerbe im Gespräch sind.

00:22:30: Und da wäre natürlich der Moment, wo man sagen könnte ja super vielleicht will ich gar keine Wärme bekommen?

00:22:35: Vielleicht will ich Wärmeliefern!

00:22:37: Dann könnte man das halt eben in die Planung von einem Nachwärmennetz mit einbeziehen.

00:22:42: Deswegen ist es halt so wichtig, dass es letztlich halt auch so Vernetzungsmöglichkeiten gibt wo dann halt auch Leute die eben nicht die Wärmenetzbetreiber sind sondern eben sowas wie die kleine Bäckerei oder vielleicht auch sowas ein Supermarkt oder so auch hingehen können und sagen, wollt ihr nicht vielleicht die Abwärme von unseren Kühlschränken haben?

00:23:04: Oder oder.

00:23:06: Und da braucht es eben überhaupt die Information, dass das möglich ist.

00:23:09: Dann braucht's dann letztlich halt auch die Koordinationen und die Vernetzung zwischen diesen verschiedenen Akteuren um dann halt letztlich so'n Wärmenetz zu bekommen was halt sowohl für die Leute, die die Wärme liefern als auch für die Läute, halt eine gute Möglichkeit ist.

00:23:29: Ja,

00:23:30: ich find das total spannend, weil dadurch Wärme so konkret wird und nicht einfach nur ... Ich mach den Wasserhahn an uns kommt heißes Wasser raus oder ich schalte die Heizung an dann wird es warm, sondern nein, das ist vielleicht die Wärmer von meinem Nachbarn, die er nicht braucht.

00:23:44: jetzt ein bisschen vereinfacht formuliert.

00:23:48: Du hast es schon erwähnt?

00:23:50: Es wird bald gewählt in Berlin.

00:23:51: Das macht Hoffnungen.

00:23:56: Ja, bist du schon in Kontakt gewesen mit Abgeordneten von der Linken?

00:24:00: Die sich für das Thema einsetzen wollen.

00:24:03: Ja also tatsächlich bin ich auch schon mit vielen verschiedenen Leuten halt aus Parteien und auch aus dem Abgeordneten im Kontakt.

00:24:12: Tatsächlich war ich jetzt gerade im Abgeordnetenhaus als Sachverständige in der Anhörung zum Decarbonisierungsfahrplan der BEW.

00:24:19: Also da habe ich im Grunde mit allen gesprochen die da waren und hatte da halt auch das Gefühl, dass es durchaus ein großes Interesse bei den Abgeordneten besteht sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

00:24:32: Und wir versuchen jetzt weiterhin noch während des Wahlkampfes eigentlich alle demokratischen Parteien auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen.

00:24:44: Wir sind ja auch Teil vom Bündnis Berlin erneuerbar.

00:24:47: Und in dem Bündniss haben wir gerade so einen Forderungskatalog, auch in Form von einem übersichtlichen Flyer erstellt und mit dem versuchen wir eben im Wahlkampf noch die Kandidierenden dazu zu bewegen sich halt möglichst konkret und sinnvoll zur Wärmewende zu äußern.

00:25:06: Ja danke Nelke dass du mir das so einleuchtend zusammengefasst hast.

00:25:12: Ich hab total viel gelernt, ich denke die Leute, die uns zuhören auch.

00:25:17: Mir hat es auch irgendwie Hoffnung gemacht mir zu überlegen was das alles für fast ein bisschen utopisch klingende Szenarien für unsere zukünftige Wärmeversorgung gibt und auch Kälteversorgungen wenn man sich die heiße Bänder im Sommer anschaut.

00:25:33: Also danke dir für deine Expertise und dass ich mit dir reden konnte.

00:25:38: Ja vielen Dank dir fürs Gespräch!

00:25:41: Und wenn euch der Podcast gefallen hat, dann teilt ihn doch auf euren Kanälen, empfiehlt ihn weiter.

00:25:46: Gebt uns Sterne auf Spotify, kommentiert auf YouTube und sorgt so dafür dass Kompass-Weltwirtschaft noch ein bisschen bekannter wird!

00:25:54: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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